Maurenbrecher

Manfred Maurenbrecher veröffentlicht mit “flüchtig” ein Album über das Unterwegssein. Es geht von Land zu Land, quer durch die Jahrzehnte und durch Gefühls – und Geisteswelten. Der Berliner Liedermacher lässt dabei seine Reisegeschichten Aggregats- und Zeitzustände wechseln, verschmilzt die Neugier früherer Generationen mit Sehnsüchten von heute. Auch mit den Zwängen, die Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertreiben. Schmerzhafte Reisen. Kein Album, das früh morgens sein Handtuch auf die Liege vor dem All-Inclusive-Pool legt.

Der zeitliche Bogen der Stücke reicht weit, manche kommen aus der Vergangenheit, andere rekonstruieren sie, eins spielt in einer geträumten Zukunft. Von Trinidad auf Kuba geht es zum Autoput, einer Landstraße mit Überholspur, quer durch das Jugoslawien der Siebziger Jahre ins damals blühende Afghanistan, 45 Jahre später retour aus den Flüchtlingslagern am Südrand der EU hoch in den reichen Norden. Mit der ersten Band von West-Berlin aus in einem alten Opel Kapitän ins Ruhrgebiet, durch die Augen des Folkmusikers Utah Phillips mit den Hobos im Güterzug durch die USA. Reisen, freiwillig oder erzwungen, aus Not oder Übermut, lebensgefährlich und rettend.

Maurenbrecher bleibt »Geheimtip auf Lebenszeit« (FAZ, 1992) und tauscht den großen Ruhm für ein Leben voller Würdigungen, echten Kultcharakter und eingeschworene Fans ein. 1991 gewinnt er den Deutschen Kleinkunstpreis zusammen mit Richard Wester, 1998 den Liederpreis des Südwestfunks. Konstantin Wecker zieht den Hut: »Unprätentiös und versponnen, musikalisch von bewundernswerter Schlichtheit, die ihm hierzulande keiner nachmacht.« 2002 gewinnt er den Deutschen Kabarett-Preis als Mitglied der Lesebühne Mittwochsfazit (zusammen mit Horst Evers und Bov Bjerg). 2005 folgt der Preis der Deutschen Schallplattenkritik und 2009 der Liederpreis der Liederbestenliste.

Als 2010 dann das 30jährige Bühnenjubiläum ansteht, machen sich seine Fans an ein außergewöhnliches Geschenk: 3 CDs mit 62 Cover-Versionen seiner Lieder. Reinhard Mey ist dabei, Hannes Wader, fast die gesamte Berliner Lesebühnenszene, Klee, Purple Schulz, Opern- und Chansonsänger, Rocker, Popper, das ganze Spektrum. »Macht man sich die Mühe, die CDs tatsächlich in voller Länge durchzuhören, stellt man fest, dass Manfred Maurenbrecher eine Menge guter Songs geschrieben hat, sowohl textlich, wie auch kompositorisch«, staunt dazu der Tagesspiegel.

Doch das ist kein Ende: die Alben no go (2013), Rotes Tuch (2015) und flüchtig (2017) gewinnen alle den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und sorgen für neue Schwärmereien.

 

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